Es gibt eine Stelle in sehr vielen Strickanleitungen, an der ich kurz innehalte und denke: wer soll das verstehen, wenn er es noch nicht weiß? Manchmal ist es ein Begriff, der in einer Strickanleitung einfach verwendet wird, ohne erklärt zu werden. Manchmal ist es eine Technik, die in einem Halbsatz erwähnt wird, so als würde das selbstverständlich jede:r wissen. Manchmal ist es auch nur ein Kürzel, das nirgendwo aufgelöst wird. Diese Momente kenne ich aus eigener Erfahrung. Und ich sehe es in den Nachrichten, die mich immer wieder erreichen. Ich sehe die Verzweiflung, wenn ich um Hilfe gebeten werde, weil es mit der Zunahme, dem Nadelspiel, der Passform, (hier bitte deine eigenen Probleme einsetzen) nicht klappt. Überall schwingt die Annahme mit, dass sie nicht gut genug im Stricken seien.
Sie sind nicht nicht gut genug. Die Strickanleitung hat sie im Stich gelassen.

Die Lücke, die keine Strickanleitung schließt
Viele Designer:innen kategorisieren ihre Anleitungen nach Schwierigkeitsgrad: Anfänger:innen, Fortgeschrittene, Expert:innen. Das ist grundsätzlich eine sinnvolle Idee, weil nicht jedes Projekt für jeden Einstieg geeignet ist. Aber diese Kategorisierung hat einen blinden Fleck: Sie beschreibt, wo jemand schon ist, nicht wie man dorthin kommt.
Wie kommt man als Anfänger:in zu den Fortgeschrittenen? Nur durch Lernen. Durch Projekte, die einen ein Stück weiterbringen, durch Erklärungen, die man wirklich versteht, durch Techniken, die nicht vorausgesetzt werden, sondern gezeigt werden. Diese Brücke fehlt in vielen Anleitungen. Man bekommt ein Projekt für Einsteiger:innen, das tatsächlich nur rechte und linke Maschen braucht, und dann springt man direkt zu einem Projekt für Fortgeschrittene, das plötzlich Zunahmen, Abnahmen und Maschenprobe voraussetzt, ohne dass irgendjemand erklärt hat, was das ist und warum es so funktioniert.
Genau diese Lücke möchte ich schließen. Nicht mit einer Strickanleitung, die alles vereinfacht und wichtige Techniken weglässt, sondern mit einer, die nichts voraussetzt und trotzdem vollständig ist.
Was „alles erklären“ in einer Strickanleitung konkret bedeutet
Wenn ich eine Strickanleitung schreibe, gehe ich von einer einzigen Annahme aus: Du kannst rechte und linke Maschen stricken. Das war es. Alles andere erkläre ich.
Das bedeutet in der Praxis: Wenn in einer Strickanleitung eine Zunahme vorkommt, erkläre ich, was eine Zunahme ist, warum sie an dieser Stelle eingesetzt wird und wie sie funktioniert. Wenn ich eine Abnahme verwende, dasselbe. Wenn eine Maschenprobe nötig ist, erkläre ich nicht nur, wie man sie strickt, sondern auch, was man mit der Information anfängt, die sie liefert.
Das klingt nach viel, ist aber im Grunde nur konsequentes Erklären. Es bedeutet, dass eine Strickanleitung von mir nie einfach sagt „nimm eine Zunahme aus dem Querfaden“, ohne zu beschreiben, wie genau das geht und wie das Ergebnis aussehen soll. Es bedeutet, dass ich keine Kürzel ohne Legende verwende. Es bedeutet, dass der Gedanke hinter jeder Technik sichtbar ist, nicht nur die Ausführung.
Dazu kommt: An den relevanten Stellen liefere ich das passende Video direkt mit. Du musst nicht lange im Internet nach einer Erklärung suchen. Das habe ich selbst oft genug erlebt, dass man eine Technik in einem fremden Video in einem ganz anderen Kontext gezeigt bekommt, so dass sie zwar irgendwie Sinn ergibt, aber gar nicht zu dem passt, was man gerade strickt. Das hilft dann nicht wirklich weiter, es verwirrt oft eher. Deshalb ist das Video bei mir so gewählt, dass es zu der Strickanleitung passt, in der du gerade bist.

Und wenn du schon fortgeschritten bist?
Dann überspringe die Erklärung und gehe direkt in die Anleitung. Niemand zwingt dich, dir erklären zu lassen, was du schon weißt. Aber die Erklärung ist für alle da, die sie brauchen, und sie ist so geschrieben, dass sie keine Zeit verschwendet.
Was ich damit sagen will: Eine Strickanleitung, die alles erklärt, ist keine reine Anfänger-Anleitung. Sie ist eine Anleitung, die niemanden ausschließt. Einsteiger:innen kommen mit, weil nichts vorausgesetzt wird. Fortgeschrittene kommen mit, weil das Projekt selbst interessant genug ist. Und wenn am Ende jemand, der schon jahrelang strickt, noch etwas mitnimmt, ist das ein schöner Nebeneffekt.
Für wen meine Anleitungen gedacht ist
Kurze Antwort: für alle, die stricken wollen, ohne sich dabei dumm fühlen zu müssen.
Etwas längere Antwort: Meine Strickanleitungen sind für Menschen geschrieben, die verstehen wollen, was sie tun, nicht nur, wie sie es tun. Der Unterschied ist klein, aber er verändert alles. Wer versteht, warum an einer bestimmten Stelle eine Zunahme kommt, kann diese Information beim nächsten Projekt wieder anwenden. Wer einfach nur der Anweisung folgt, fängt beim nächsten Projekt wieder von vorne an.
Das ist keine Philosophie, das ist Pragmatismus. Wissen, das man wirklich verstanden hat, bleibt. Schritte, die man blind befolgt hat, vergisst man.

Wo du anfangen kannst
Das Rebellen Tuch ist meine erste eigene Strickanleitung und sie ist genau nach diesem Prinzip geschrieben. Rechte und linke Maschen reichen, um sie zu stricken. Den Rest erkläre ich. Die Anleitung gibt es als Dankeschön für deine Newsletter-Anmeldung. Wer sich anmeldet, bekommt außerdem regelmäßig neue Inhalte rund ums Stricken, kein Spam, kein Hustle, nur Handarbeit mit Verstand: Hier geht’s lang
Wer zwischendurch sehen möchte, was gerade auf meinem Werktisch liegt, findet mich auf Instagram: Folge mir auf Instagram