Als ich angefangen habe zu stricken, war das alles andere als ein Spaziergang. Ich erinnere mich noch gut an die ersten Teile, die ich voller Motivation angeschlagen habe – und die dann Monate später ungetragen in der Ecke lagen. Nicht, weil sie unbedingt hässlich waren, sondern weil ich beim Machen so vieles noch nicht wusste: welches Garn wofür taugt, warum es Sinn macht, klein anzufangen, und dass Auftrennen kein Drama ist, sondern Teil des Lernens.
Ich habe lange gebraucht, um mir diese Erkenntnisse selbst zusammenzupuzzeln. Heute weiß ich, dass Stricken nicht von Perfektion lebt, sondern davon, dass man Stück für Stück Erfahrungen sammelt. Damit du dir diesen Umweg ein bisschen abkürzen kannst, habe ich fünf Dinge aufgeschrieben, die ich gerne schon früher gewusst hätte.

1. Schnelle Fortschritte halten die Motivation am Leben
Wenn man zum ersten Mal Nadeln und Wolle in der Hand hat, ist Geduld oft das Schwierigste. Bei mir war es so: ich habe ewig an den ersten Zentimetern herumgestrickt und mich gefragt, ob das jemals was werden soll. Was mir damals niemand gesagt hat: mit dickeren Nadeln und einer gröberen Wolle siehst du viel schneller, wie etwas entsteht.
Das ist kein Trick und auch keine Abkürzung – es ist schlicht motivierend, wenn du nach einer halben Stunde ein ordentliches Stück in den Händen hältst. Fehler erkennst du schneller, die Bewegungen prägen sich leichter ein und das Strickgefühl wird insgesamt entspannter. Heute gebe ich meinen Kursteilnehmer:innen gerne mit: lieber mit einem Garn starten, das deutlich sichtbar wächst, als sich mit dünnem Lace-Garn die Zähne auszubeißen.
2. Kleine Projekte bringen dich weiter als große Würfe
Mein erstes richtig fertiges Projekt war ein Spültuch – und das war ein Meilenstein. Es war nicht groß, nicht kompliziert und sicher nicht perfekt. Aber es war etwas, das ich jeden Tag benutzt habe. Und genau das hat mich motiviert, weiterzumachen.
Ein kleiner Schal, ein Stirnband, ein Spültuch: Solche Projekte haben den großen Vorteil, dass du schnell zum Ende kommst und das Erfolgserlebnis spürst. Denn nichts ist frustrierender, als monatelang an einem Pullover zu stricken und dann unterwegs die Lust zu verlieren. Ich habe selbst mehr als ein Kleidungsstück angefangen, das nie fertig geworden ist – und damit liegt heute nicht nur die Wolle brach, sondern auch die investierte Zeit.
Heute sage ich: lieber fünf kleine, fertige Projekte, an denen du jedes Mal etwas Neues lernst, als ein großes, das dir am Ende den Spaß verdirbt.
3. Garn ist nicht gleich Garn – es muss zum Zweck passen
Eines meiner größten Aha-Erlebnisse war die Erkenntnis: Garne sind unterschiedlich – und sie verhalten sich auch unterschiedlich. Ich habe lange einfach „irgendeine“ Wolle genommen, weil mir die Farbe gefiel. Später habe ich gelernt, dass es einen riesigen Unterschied macht, ob ich ein Tuch, eine Mütze oder ein Spültuch stricken möchte.

Kurzer Überblick, ohne Fachchinesisch:
- Schurwolle (z. B. Merino): elastisch, hält warm, kehrt in die Form zurück. Perfekt für Mützen, Schals, Pullover.
- Alpaka: sehr weich, wärmt stark, fällt fließend. Toll für Tücher, aber weniger formstabil.
- Baumwolle: saugfähig, wenig elastisch und neigt zum Ausleiern. Super für Spültücher oder Sommerprojekte, für formhaltige Kleidung aber schwierig.
- Sockenwolle (meist Schurwolle mit Polyamid-Anteil): robust, waschbar, abriebfest. Ideal für Socken und Alltagsstücke.
Wichtiger Hinweis für Anfänger:innen:
Ich würde am Anfang Garne mit langen Haaren oder „Flusen“ wie Mohair meiden. Sie sehen wunderschön aus, sind aber schwerer zu stricken und fast unmöglich wieder aufzuribbeln, wenn man sich vertan hat. Für die ersten Projekte ist es deutlich entspannter, mit glatten Garnen zu arbeiten.
Mein Learning: Es reicht nicht, dass die Farbe gefällt. Das Garn sollte immer auch zum Zweck passen. Ein Sommer-Top aus Baumwolle kann perfekt sein, ein Pullover daraus hängt aber oft traurig am Körper. Ein Tuch aus Schurwolle wärmt und bleibt in Form, ein Top daraus kann schnell zu warm sein.
4. Auftrennen ist kein Scheitern – es ist Teil des Prozesses
Am Anfang war Auftrennen für mich gleichbedeutend mit Versagen. Ich habe mich geärgert, wenn ich Reihen wieder aufmachen musste, und manchmal ganze Projekte frustriert in die Ecke geschmissen. Heute sehe ich das anders: Frogging gehört zum Stricken wie Maschen anschlagen.
Warum? Weil Stricken nicht in erster Linie ein Rennen zum fertigen Teil ist, sondern ein Prozess. Jeder Fehler, den du erkennst und wieder aufmachst, sorgt dafür, dass dein Strickstück langlebiger wird. Du verschwendest keine Wolle, sondern nutzt sie neu. Und du lernst dabei mehr als durch jede perfekt durchgestrickte Reihe.
Für mich ist Auftrennen heute kein Rückschritt, sondern Nachhaltigkeit in Aktion. Ich trenne auf, um Ressourcen nicht zu verschwenden, sondern ihnen eine echte Chance zu geben, ein Stück zu werden, das ich wirklich tragen kann.
5. Stricken ist kein Sprint – Routine bringt dich weiter
Eine der größten Fallen für Anfänger:innen ist der Gedanke, dass man möglichst schnell ans Ziel kommen muss. Ich habe oft stundenlang verbissen gestrickt, in der Hoffnung, ein Projekt „wegzuschaffen“. Das Ergebnis: Rückenschmerzen, Frust und ein Strickstück, das trotzdem nicht fertig war.
Heute weiß ich: Stricken lebt nicht von Geschwindigkeit, sondern von Routine. Lieber jeden Tag ein paar Reihen, regelmäßig und ohne Druck, als sich einmal die Woche zu überfordern. Und Routine heißt nicht nur: Technik üben. Es heißt auch, dir den Strickplatz so einzurichten, dass er dich einlädt. Ein fester Korb für das aktuelle Projekt, gute Beleuchtung, ein Tee daneben. So wird Stricken zur Auszeit statt zum Stress.
Häufige Anfängerfragen
Brauche ich als Anfänger:in eine Maschenprobe?
Für kleine Übungsprojekte wie Spültücher oder Stirnbänder: nein. Für passformsensible Teile wie Mützen oder Pullover: ja. Eine Maschenprobe spart später Ärger und hilft dir, das Garn besser kennenzulernen.
Welche Nadelstärke ist gut für den Anfang?
Ideal sind 6–8 mm. Mit dickeren Nadeln wächst das Strickstück schneller und du kannst die Maschen leichter erkennen.
Welches Garn eignet sich für die ersten Projekte?
Am besten glatte, mitteldicke Garne in helleren Farben. So erkennst du deine Maschen leichter und kannst problemlos auftrennen. Mohair oder flauschige Garne solltest du erstmal liegen lassen – die sind wunderschön, aber verzeihen wenig Fehler.
Wie lange dauert es, bis ich stricken kann?
Das hängt stark davon ab, wie viel du übst. Viele schaffen es schon nach dem ersten Abend, rechte Maschen im Rhythmus zu stricken. Nach ein paar Wochen regelmäßiger Übung kannst du schon kleine Projekte fertigstellen.
Mein Fazit
Stricken lernen bedeutet nicht, sofort perfekt zu sein. Es bedeutet, Erfahrungen zu sammeln – mit dem richtigen Material, kleinen Projekten, dem Mut zum Auftrennen und einer Routine, die dich Stück für Stück weiterbringt.
Für mich ist Stricken auch eine Frage der Nachhaltigkeit: ich will Stücke machen, die ich wirklich trage, und die lange halten. Keine Wegwerf-Projekte, kein Frust, sondern echte Handarbeit mit Sinn.
Und wenn du nicht die gleichen Fehler machen willst wie ich am Anfang, dann komm in meine Kurse:
- Stricken lernen – dein Einstieg mit Anschlag, rechten/linken Maschen & Basics
- Socken stricken – Schritt für Schritt zu deinem ersten Paar selbstgestrickter Socken
Noch sind Plätze frei. Zu Garn und Nadeln berate ich dich direkt im Kurs, damit du dich voll aufs Lernen konzentrieren kannst – bewusst, nachhaltig und mit einer Lehrerin, die auch schon alle Fehler gemacht hat.
Stricken macht noch mehr Spaß, wenn man sich austauscht. Auf Instagram erzähle ich von meinen aktuellen Projekten, Kurseindrücken und den kleinen Alltagsgeschichten dazwischen. Folge mir dort – ich freu mich, wenn du Teil der Community wirst.
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